Was ist nur los bei Saab?

Es ist schon ein Trauerspiel, was da bei Saab abläuft. Man vergegenwärtige sich nur einmal die Inhalte der Schlagzeilen der letzten Zeit: Saab macht seit 10 Jahren Verluste; Saab-Modelle sind nur Kopien von Opel und Subaru; Saab hat seinen Markenkern verloren; Saab kann Lieferanten nicht mehr bezahlen; Saab kann Löhne nicht mehr bezahlen; Chinesische Investoren springen ein und dann wieder ab; Die nächsten chinesischen Investoren geben nur noch Absichtserklärungen ab; Saab-Eigner Muller (=Spyker) verhandelt mit GM wegen Unterstützung; Der Aufenthaltsort von Muller ist unbekannt.

Puuh, gibt es wirklich PR-Agenturen, die ein solches Desaster wieder gerade rücken können? Nur mal angenommen, Muller würde noch einmal irgendwo genug Geld auftreiben können, um die aktuellen Zahlungsprobleme zu lösen. Und auch einmal angenommen, die im Auftragsbestand stehenden 10.000 Fahrzeuge könnten produziert werden. Woher sollen weitere Kunden kommen, bei derartigen Nachrichten? Woher langfristig denkende Investoren, bei einer derart schlechten Story? Wo sollen bei einer angedachten Jahresproduktion von nur 30.000 Einheiten jemals Gewinne, geschweige denn Geld für weitere Investitionen oder Neuentwicklungen herkommen?

Ich bin sicher kein Spezialist für Firmenübernahmen oder optimierte Fahrzeugproduktion. Aber wenn man einfach mal eins und eins zusammenzählt und beobachtet, wie sich die Automarkenwelt ansonsten weiterentwickelt, kommen mir bei Saab eigentlich nur Fragezeichen.

Hat jemand eine Idee?

Opel und die nicht enden wollende Geschichte

Im Laufe der Woche überraschten Autobild und Spiegel Online mit Berichten, dass GM mit Opel die Geduld verliere und zu einem Verkauf seiner deutschen Tochter bereit sei. Opel sei noch immer ein Verlustbringer und passe dem auf Quartalserfolge blickenden GM-Konzern nicht mehr ins Konzept. Als mögliche Käufer gelten chinesische Autohersteller, es wird aber auch Volkswagen genannt.

Im Grunde überrascht das nicht. GM wurde mit reichlich Staatsgeld entschuldet und wieder hübsch gemacht, aber die Denke in Detroit hat sich in bestimmten Dingen eben nicht geändert. Das liegt u. a. daran, dass en Entscheidungsträgern die Leidenschaft für Automobile fehlt. Die “verkaufen” heute bei GM und morgen bei Soundso und sind damit glücklich, quartalsweise Bericht zu erstatten, können sich aber an technischen Raffinessen, die Kundennutzen haben, nicht berauschen. Das ist in Rüsselsheim mit Sicherheit anders.

Volkswagen als weißen Ritter ins Spiel zu bringen, um die chinesische Lösung zu verhindern, ist aber wohl mehr Redakteurstraum als realitätsnah. Weder die Familien Piech/Porsche, das Land Niedersachsen noch der Staatsfond Qatar können irgendein Interesse daran haben, diesen Wettbewerber aus rein politischen zu. Das darf im Übrigen auch für die bei VW starke Arbeitnehmervertretung angenommen werden. Und auf die absehbaren juristischen Auseinandersetzungen mit den verärgerten Kleinaktionären hat kein Management Lust.

Bleiben die Chinesen. Für diese Lösung spricht, dass über Opel ein schnellerer Markteinstieg in Europa möglich wäre. Doch wollen sie auch die Autos, die Fabriken, die Probleme haben? Oder nur die Technologien und das Händlernetz?

Eine weitere Frage ist zu stellen: Wer setzt diese Gerüchte in die Welt? Opel selbst scheidet wohl aus. GM? Möglich,aber das würde den Verkaufspreis doch drücken, oder? Die Presse? Nur aus Schlagzeilensucht, ich weiß nicht?! Wettbewerber? Könnte sein, aber momentan brummt der Markt und alle haben anderen Sorgen.